Elster-Saale-Kanal

 

Durch einen Bericht auf den Seiten von Team Delta über ein "Schiffshebewerk" des unvollendeten Elster-Saale-Kanals in Wüsteneutzsch bei Kreypau (Sachsen Anhalt) aufmerksam geworden, wollten wir der Sache mal auf den Grund gehen und uns selber ein Bild machen. Natürlich ist es nicht bei einer Besichtigung des "Schiffshebewerkes" (wir denken es handelt sich hier um eine große Schleuse) geblieben und so haben wir gleich eine kleine Reportage über den Elster-Saale-Kanal, der eine Ingenieurtechnische Meisterleistung darstellt, gemacht.

 

 

 

Elster-Saale-Kanal und Karl-Heine-Kanal

 

Mit der heute unvollendeten Wasserstraße Elster-Saale-Kanal sollte die Messestadt Leipzig über den Karl-Heine-Kanal an das Wasserstraßennetz angeschlossen werden. Über die Kanalverbindungen Elsterà Saaleà Elbe hätte man praktisch freie Fahrt bis nach Hamburg und zur Nordsee gehabt.

 

Das Bestreben der Stadt Leipzig, sich an das Binnenschifffahrtsnetz anzuschließen, besteht seit Jahrhunderten. Der Karl-Heine- und Elster-Saale-Kanal zeugen von dem Wunsch, eine schiffbare Verbindung zwischen Elster und Saale herzustellen.

Das Bauvorhaben ist auf den Unternehmer und Leipziger Stadtverordneten Dr. Karl Heine zurückzuführen. Mit ersten Arbeiten an diesem ehrgeizigen Projekt wurde bereits 1858 begonnen Der Beginn der Bauarbeiten erfolgte von der Weißen Elster aus und umfasste auf den ersten zwei Kilometern insgesamt elf Brückenbauwerke. Jedoch wurden die Arbeiten 1864 aufgrund finanzieller Schwierigkeiten wieder eingestellt.

Das Ergebnis dieser Arbeiten war ein ca. 2,5 km langer Schifffahrtskanal auf dem Kohle, Baumaterialien, Heu und auch Personen transportiert wurden.

Nach dem Tod von Karl Heine 1888 wurde eine neue Baugesellschaft (Westend-Baugesellschaft) gegründet, die die Arbeiten am Kanal für fünf Jahre weiterführte, dann aber auch in finanzielle Schwierigkeiten kam, so dass die Arbeiten nun endgültig eingestellt werden mussten. Zu diesem Zeitpunkt betrug die Länge des Kanals 3,2 km.

 

Im Rahmen der Mittellandkanal-Planung und dem Ausbau der Saale für den großen Schiffsverkehr wurden im Jahr 1933 auch die Arbeiten am Elster-Saale-Kanal aufgenommen.

 

Von den projektierten 20 km vom Hafen in Leipzig Lindenau, dessen Hafenbecken mit Wasser gefüllt ist, der aber bis heute keinerlei Anbindung an das Wasserstraßennetz hat und den Endpunkt des Elster-Saale-Kanals darstellen sollte, bis zum Saaleanschluss bei Kreypau wurden bis zum kriegsbedingten Baustopp 1942/43 12 km fertig gestellt. Dieses Teilstück endet hinter Günthersdorf an der B 181.

So kommt es, dass man entlang des geplanten Kanals in der Gegend westlich von Leipzig, in Richtung Merseburg bisweilen auf Brückenkonstruktionen, Dämme sowie die große Schleuse in Wüsteneutzsch bei Kreypau stößt.

 

Die Schleuse war in der Planung als Doppelschleuse ausgelegt, wobei der Hub der beiden Schleusenkammern jeweils 10 Meter betragen sollte um  den Höhenunterschied zwischen der Saale und dem Kanal, der an dieser Stelle 20 m beträgt, zu überwinden. Die obere Schleusenkammer wurde noch zu ca. 75% fertiggestellt, bei der unteren Schleusenkammer begann man lediglich mit den Erdarbeiten für die Fundamente.

 

Konzipiert war der Kanal für Schiffe bis 1000 t, was auch die eindrucksvollen Dimensionen der Schleuse erklärt, ca. 110 m Länge, 20 m Breite bei einer Höhe von ca. 15 m.

 

Die Schleuse ist allerdings nicht das einzige "Großbauwerk" am Kanal, so unterqueren auch das Flüsschen Zschampert bei Burghausen sowie Straßen wie die Bundesstraße 186 bei Dölzig den Kanal.

Der Straßentunnel der B 186, der den Kanal unterquert hat eine Länge von 110 m, hier wurden ca. 14 m hohe Dämme aufgeschüttet.

Insgesamt beträgt die Länge der aufgeschütteten Dämme 7 km, hinzukommen die auch heute noch gut in der Landschaft zu erkennenden Dämme des unvollendeten Teils.

 

Neuerdings gibt es seitens der Stadt Leipzig sowie einiger Fördervereine wieder Bestrebungen den Leipziger Karl-Heine-Kanal an den im Trockenen liegenden Lindenauer Hafen  des Elster-Saale- Kanals anzubinden und in einer zweiten Ausbaustufe an den Elster-Saale-Kanal anzuschließen. Ob dies jedoch realisiert wird und im Zuge dieser Ausbaumaßnahmen auch der Elster-Saale-Kanal fertig gestellt wird, wird wohl letztendlich (oder hauptsächlich) auch eine Frage der Finanzierung sein. Zum Thema Elster-Saale-Kanal gibt es jetzt endlich auch ein umfassendes Werk mit dem Titel "Südflügel", Autor ist der uns gut bekannte Dirk Becker. Erhältlich ist das Buch hier.

 

 

Bildmaterial

 

 
     

Große Schleuse

Elster-Saale-Kanal

Karl-Heine-Kanal

 

 

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