Details und Bildmaterial zu den einzelnen Bauwerken finden Sie im Anschluss an diese Ausführungen
Begriff Werk/Panzerwerk:
Der Begriff Werk wurde ab dem 16. Jahrhundert im Festungsbau
als Überbegriff für eine einzelne isolierte Befestigungsanlage, errichtet zur
Verteidigung von strategisch wichtigen Punkten wie z.B. Pässen, Hafeneinfahrten
und Eisenbahnlinien oder als Bestandteil einer Festung, verwendet. Zum Ende des
19. Jahrhunderts wird der Begriff noch immer für Verschanzungen und kleine Forts
verwendet, insbesondere für Systeme die sich aus den Forts entwickelten und, je
nach Staat, in verschiedenartigen Ausführungen errichtet wurden. Um den
strategischen Wert der Werke zu erhöhen, wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts
in neugebaute Werke Panzerbauteile wie Panzerkuppeln oder Panzerplatten
eingebaut. Im Zuge des Ausbaus der deutschen Landesbefestigungen in den 1930er
Jahren kamen neue Konzepte im Festungsbau zum Tragen und so wird ab 1937 ein
Werk als selbstständig zu verteidigende Festungsanlage mit maschinellen
Einrichtungen zur Luft- und Energieversorgung definiert.
Werke bestehen aus mehreren Kampfständen mit verschiedenartigen Waffen (z.B. MG
und Artilleriegeschütze), die einer einheitlichen Befehlsführung unterstehen.
Man unterscheidet geschlossene Werke, hier sind alle Waffen in einem Block
vereinigt, und aufgelöste Werke, hier sind die Kampfstände in einiger Distanz
zum Hauptobjekt angeordnet und über Hohlgänge mit diesem verbunden. Die
Umschließung mit einem Rundumhindernis (z.B. Wall, Graben oder Drahthindernis)
sowie die Verteidigungsmöglichkeit nach allen Seiten (Rundumverteidigung) muss
gegeben sein. Werke sind mit technischen Einrichtungen für Wasserver- und
Entsorgung, Lüftung und Beleuchtung ausgestattet.
Die Bezeichnung Panzerwerk geht auf einen Befehl aus dem Jahr
1939 zurück und sollte die Stärke der deutschen Befestigungsanlagen besonders
betonen. Demnach waren alle Werke, Kleinstwerke und Stände, die mit Panzertürmen
ausgestattet waren und eine Wandstärke von mindestens 1,0 m aufwiesen als
Panzerwerke zu bezeichnen. Eine Ausnahme bildeten die Bauwerke der Festungsfront
Oder-Warthe-Bogen, hier wurden alle Bauwerke, auch solche ohne Panzertürme und
mit Wandstärken von weniger als 1,0 m als Panzerwerke bezeichnet.
Begriff Werkgruppe:
Werkgruppe beschreibt einen Begriff aus dem deutschen
Festungsbau nach Ende des Ersten Weltkrieges, der vor allem während der 1930er
Jahre, als im Zuge des Ausbaus der Landesbefestigungen neue Konzepte und Systeme
definiert und entwickelt wurden, zum Tragen kam. Werkgruppen setzen sich aus
mehreren Werken zusammen, die im Verbund und unter einheitlicher Führung
Verteidigungsaufgaben in einem Abschnitt eines Verteidigungssystems wahrnehmen.
Die Hauptbefehlsstelle einer Werkgruppe enthielt Räume für den Kommandanten,
Fernsprechverkehr, Telegrafen, Befehlsempfänger und Melder.
Laut Heeresdienstvorschrift HDV g4 aus dem Jahre 1940 müssen Werke, die in einer
Werkgruppe zusammengefasst sind durch Hohlgänge miteinander verbunden sein,
jedoch wurde diese Forderung nicht bei allen Verteidigungsanlagen umgesetzt. So
wurden an der Festungsfront Oder-Warthe-Bogen einige Werke in Werkgruppen
zusammengefasst, die diese Forderung nicht erfüllen, wie zum Beispiel die
Werkgruppen Körner und
Litzmann.
Die Festungsfront
Oder-Warthe-Bogen (FFOWB.) umfasste im Jahr 1939, 83 Panzerwerke und 14
Sperrstände ("Hindenburg-Stände"),
des weiteren entstanden 1944 über 300 Ringstände („Tobrukstände“) welche die
Hauptkampflinie verstärkten. Eine
Panzerbatterie in A (3,50 m Wandstärke / 600 mm Panzerstärke), sowie ein
Panzerwerk in A waren in Bau, wurden jedoch nicht fertig gestellt. Von den
projektierten A1- Werken (2,50 m Wandstärke / 350 mm Panzerstärke) wurde
keines gebaut oder auch nur begonnen.
Der gesamte Bereich des OWB. unterteilte sich dabei in drei Abschnitte. Im Abschnitt „ Nord “ von Kurzig (Kursko ) bis Schwerin a.d. Warthe (Skwierzyna) mit 27 Anlagen auf 27 km Frontbreite, der sich auf Seen und den Fluss Obra stützt, wurden 3 Werkgruppen gebaut. Im Abschnitt „Hochwalde“ , im Bereich Burschen (Boryszyn ) – Kalau (Kalawa ) – Kainscht (Keszyca ) – Kurzig (Kursko ), mit 43 Anlagen auf 16 km Frontbreite, wurden 9 Werkgruppen gebaut, von denen 7 durch Hohlgänge verbunden sind. Von den geplanten Hohlgängen wurden mind. 35 km realisiert (angeblich wurden von der polnischen Armee Anfang der 50er Jahre ca.50 km Hohlgänge katalogisiert). Im Abschnitt „Süd“ mit 27 Anlagen auf 34 km Frontbreite von Liebenau (Lubrza ) bis zur Oder im Süden wurde nur eine Werkgruppe fertig. Die Verteidigung dieses Abschnittes stützte sich auf ein lückenloses Wasserhindernis mit 14 Stauanlagen.
Die Bunker des OWB. wurden zum Teil in offener Bauweise errichtet, dass heißt, es mussten erst Baugruben ausgehoben werden, oder das Gelände wurde aufgeschüttet . Die Gänge des Hohlgangsystems wurden allerdings unterirdisch Vorgetrieben. Ab März 1935 waren auf einer Länge von 5,5 km unterirdischen Hohlgangskilometern, 7000-10000 Arbeitskräfte im Handvortrieb eingesetzt. Dieser Bereich umfasste die Panzerbatterie 5 bis zum unterirdischen Bahnhof "Konrad" und die angeschlossenen Werken 715 und 713. Ab dem 1.April 1936 wurde der Handvortrieb durch zwei Teilautomatisierte Vortriebsmaschinen abgelöst, die durchschnittlich 65 m pro Tag in sechs verschiedenen Gangprofilen anlegen konnten. Um die Bombensicherheit der Anlagen zu gewährleisten, wurden die Hohlgänge in einer Tiefe von 4 m (unter gewachsenem Fels) bis in eine Tiefe von 35 m und tiefer (z.B. bei Sandboden) angelegt, abhängig von den jeweiligen Geländegegebenheiten.
Teilweise wurden die Untergeschosse der Bauwerke in Klinkermauerwerk ausgeführt bzw.. Klinkermauern als äußere Verschalung und als Schutz vor dem hohen Grundwasserstand gemauert.
Die Panzerwerke der Festungsfront unterschieden sich in Größe und Bewaffnung von einander.
| Kampfanlagen | Waffen | Besatzung |
| D- Stände | 1 MG | 14 Mann |
| D- Stände | 1 Pak | 14 Mann |
| C- Stände | 2 MG | 14 Mann |
| C- Stände | 1 Pak | 14 Mann |
| B 1- Stände | 3 MG | 25 Mann |
| B- Kleinstwerke | 3 MG | 10 Mann |
|
B-
Werke
|
5 MG 1 Maschinengranatwerfer M19 1 Flammenwerfer | mindestens 50 Mann |
| A- Werke | 5 MG 1 Maschinengranatwerfer M19 1 Flammenwerfer | mindestens 50 Mann |
Des weiteren unterteilte man in verschiedene Ausbaustufen, in denen die Stärke der Wände und Panzerungen definiert wurde.
|
Ausbaustufe |
Betonsicherheit |
Panzerstärke |
Sicherheit gegen |
|
A |
3,50 m |
60 cm |
Massentreffer 52 cm, Deckentreffer 1800 kg Bombe, Wandtreffer 500 kg Bombe |
|
A1 |
2,50 m |
35 cm |
|
|
B neu |
2,00 m |
? |
Massentreffer 22 cm, Einzeltreffer 28 cm Deckentreffer 500 kg Bombe, Wandtreffer 50 kg Bombe |
|
B alt |
1,50 m |
25 cm ? |
Massentreffer 15 cm, Einzeltreffer 21 cm |
|
B1 |
1,00 m |
12 cm |
Massentreffer 10,5 cm |
|
C |
0,60 m |
6 cm |
MG-Punktfeuer, Fliegerbordwaffen |
|
D |
0,30 m |
2 cm |
MG-Streufeuer, Granatsplitter, Gewehrfeuer |